Interview mit Ann-Katrin Schmitz, Co-Founderin bei Novalanalove & Dozentin an der HMKW in Frankfurt

Interview mit Ann-Katrin Schmitz, Co-Founderin bei Novalanalove & Dozentin an der HMKW in Frankfurt

Moin Anni, schön, dass Du Zeit für ein Interview hast. Erzähl doch mal als Erstes, was Du aktuell beruflich machst, und wie Du dorthin gekommen bist, vor allem für alle, die Dich bisher noch nicht kennen.

Gerne! Mein Main-Business ist das Management und die Vermarktung von Novalanalove, sprich Farina Opoku als Social-Talent mit allen dazugehörigen Social Media Channeln und dem dazugehörigen Blog novalanalove.de. Daneben berate ich Unternehmen, Marken, Medienhäuser und Startups hinsichtlich ihrer Social Media Präsenz und Strategie, gebe Workshops und Masterclasses und coache aber auch und Einzelgesprächen. Daneben bin ich für alle Social Media Kanäle und PR Aktivitäten rund um Farina’s eigenes Bekleidungslabel „FARINA OPOKU“ zuständig und unterrichte Social Media / Influencer Marketing an der HMKW. Aktuell arbeite ich an ersten eigenen Veröffentlichungen in Fachbüchern und einem eigenen Podcast mit dem Namen „Baby got Business“, in dem es vor allem um Karriereorientierung in der digitalen Welt geht.

 

Wie sieht ein typischer Job-Alltag bei Dir aus?

Ich hasse den Begriff „Alltag“ und versuche eigentlich alles, um keinen bei mir einkehren zu lassen. Ich glaube, dass viele einen geregelte Tagesablauf und gewisse Routinen brauchen, um  produktiv zu sein. Bei mir ist es eher andersherum. Dieses Interview beantworte ich zum Beispiel gerade aus dem Flieger, mein liebster Arbeitsplatz. Aber wenn ich in Köln oder Hamburg bin, sprich in einer der beiden Städte, in denen ich lebe, beginnt der Tag bei mir mit einem starken schwarzen Kaffee. Dann setze ich mich meist zuerst an die Mails, die über Nacht aus anderen Zeitzonen gekommen sind oder vom Tag zuvor liegen geblieben sind. Ich versuche mittlerweile so lange wie möglich heraus zu zögern, das erste Mal mein Handy in die Hand zu nehmen, um mich nicht sofort mit Instagram und Co. abzulenken. Mittlerweile ist Whatsapp aber auch das Haupt-Kommunikationsmittel, sowohl im Team als auch mit vielen meiner Kunden und Partner aus meinem Netzwerk. Deshalb schaffe ich es meistens nur bis 9 oder halb 10 Uhr morgens. In der Regel arbeite ich bis zum Mittag die meistens Mails ab. Dann koordiniere ich Termine, briefe Farina für den Tag und priorisiere meine To-Do Liste, die ich immer vor Feierabend des vorausgehenden Tages aktualisiere. Ich schreibe mit generell alles auf, damit ich nichts vergesse. Mittags treffe ich mich meistens mit Kunden oder zum Netzwerken beim Mittagessen, so habe ich das Gefühl, sogar die Mittagspause produktiv genutzt zu haben. Nachmittags beschäftige ich mich mittlerweile mit neuen Projekten wie unserer NovaLanaLove, Präsentationen für Vorträge, bereite Workshops vor, kümmere mich um die Buchhaltung oder sammle Ideen für den Podcast.

 

Ein Thema, bei denen ich Dich als eine der führenden Expertinnen im deutschsprachigen Raum wahrnehme, ist die Beziehung zwischen Influencern und Marken. Dazu postest Du immer wieder interessante Stories auf Deinem Instagramprofil. Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Beziehung zwischen  Influencern und Marken?

An aller erster Stelle: Der Brand Fit! Das klingt jetzt so profan, aus der Praxis kann ich aber versichern, dass viele Unternehmen immer noch unsicher im Umgang und der Zusammenarbeit mit Influencern sind. Viele setzten sich mit dem Thema nicht hinreichend auseinander und beurteilen ihre möglichen Kooperationspartner anhand falscher oder unaussagekräftiger KPI’s wie simplen Like und Kommentar-Zahlen oder reinen Sales. Wenn man heutzutage nicht nur erfolgreiches, sondern auch nachhaltiges Influencer-Marketing betreiben will, muss man schon ein bisschen tiefer in die Materie eintauchen.

 

Wenn man neu auf dem deutschen Markt ist: Wie können Influencer helfen, die Marke gezielt aufzubauen und Kunden zu gewinnen?

Influencer ist nicht gleich Influencer. Zuerst einmal muss die Marke herausfinden, auf welchen Social Media Kanälen seine potentiellen Kunden unterwegs sind. Danach geht es darum, die passenden Influencer zu identifizieren. In der Regel hat ein Social-TSalent schon ein paar Werbekooperationen absolviert, an denen eine Marke sich zunächst grob orientieren kann, wie professionell gearbeitet wird und ob Tonalität und visuelle Sprache zur Brand passen. Influencer
schaffen sich durch die Marken, mit denen sie arbeiten, einen eigenen Markenkern und Assoziationen innerhalb der Social Media Landschaft. Von diesem selbstgeschaffenen Image können Marken dann durch Transfereffekte stark profitieren. Diese Theorie lässt sich so auf Macro- bis Mega-Influencer übertragen. Und am Ende gibt es ganz platt auch verdammt viel Reichweite mit wenig Streuverlust on top.

 

Macht die Zusammenarbeit mit Influencern nur für Marken mit Onlineshop Sinn?

Nein, absolut nicht. Imagetransfer funktioniert z.B. auch wunderbar im Dienstleistungs- oder B2B-Bereich. Prinzipiell sollte man meiner Meinung nach aber seine Strategie überdenken, wenn man im Jahr 2019 ein tolles Produkt hat und noch nicht über E-Commerce nachdenkt. Oder man ist Fielmann 😉

 

Mit welchem Budget muss man – gerade zu Beginn – kalkulieren?

Das ist pauschal so leider nicht zu beantworten, auch wenn die Antwort wahrscheinlich an dieser Stelle total unbefriedigend ist. Wie ich oben schon angedeutet habe, gibt es auch innerhalb der Influencer Branche unterschiedliche strategische Ausrichtungen. Influencer verstehen sich bereits selbst oft als Marke und positionieren sich durch ihren Lifestyle und Kooperationspartner vom Luxusmarkenbereich bis zu High Street. Eine Faustregel kann ich an dieser Stelle aber mitgeben: 1. Je „unattraktiver“ eine Marke, desto mehr wird sie im Vergleich zu einer Luxusmarke für eine Werbeplatzierung zahlen müssen.

 

Welche Möglichkeiten hat man als neue Marke mit dem Influencer zusammenzuarbeiten? Gibt es andere, kreative Ideen, über deren Vorschlag Du Dich fernab von reiner Produktnennung/-platzierung freuen würdest? 

Ich würde mir wünschen, dass Marken mutiger werden! Ich bin der Überzeugung, das klassisches Produkt Placement in naher Zukunft nicht mehr so gut funktionieren wird. Die Medienkompetenz hat sich mit Generation Z verbessert, die Communities von Influencern sind teilweise jetzt schon übersättigt. Ich versuche unsere Kunden an erlebnisorientierte Kooperationen und/ oder ein kreatives und intelligentes Storytelling heranzuführen. Dabei geht es darum, Produkte oder Dienstleistungen emotional aufzuladen und irgendwie „erlebbar“ zu machen, auch wenn der User dieses erst einmal „nur digital“ erfahren kann. Sowas können konkreter formuliert Events, Reisen und Erlebnisse sein, die unter anderem auch die Entstehungsgeschichte eines Produkts in den Vordergrund rücken, Geschichten zwischen Menschen erzählen, die das Produkt verbindet oder einfach ein besonderes Erlebnis. Den hundertsten Trip nach Bali braucht die Social Media Welt eher nicht.

 

Woran erkennt man einen “guten” Influencer? Wann lohnt sich die Zusammenarbeit für die Marke? 

Wenn man die Sache rational angehen möchte, dann kann man Analyse-Tools wie Influencer Db verwenden. Die spucken eigentlich alle metrischen Daten aus, die man für eine Vorab-Recherche als Unternehmen so braucht. Ansonsten gilt: Einfach dem gesunden Menschenverstand folgen! Folgende Leitfragen können am Anfang helfen: Mit welchen Marken hat der Influencer bereits zusammengearbeitet? Sehe ich meine Marke in diesem Markenumfeld? Passen Bildsprache und Tonalität der Caption? Bedient der Influencer auch aktuell Trend-Tools wie IG TV? Wie sieht es mit dem Like-Follower-Verhältnis (Engagement) aus?

 

Von mehreren kleineren Labels, die z.B. eine Crowdfunding Kampagne durchgeführt haben und die Influencer zur Steigerung Ihrer Reichweite genutzt haben, hörte ich, dass die kleineren Influencer (mit mehreren 10k Followern) deutlich mehr gebracht haben, als eine Erwähnung eines großen Influencers. Kannst Du das nachvollziehen? Wenn ja, welche Gründe könnte das haben? 

Absolut. Instagram reduziert mit zunehmender Followerzahl bei Mega-Influencern die organische Reichweite. Das bedeutet, dass jemand mit 1 Millionen Follower vielleicht trotzdem nur 200k User erreicht, sprich nur einen Bruchteil seiner eigentlichen Reichweite. Kleiner Influencer können deshalb oft effektiver für eine Kooperation sein und genießen darüber hinaus oft noch eine höhere Authentizität nach außen, da sie in der Regel weniger Werbekooperationen umsetzten und gefühlt intensiver mit ihrer Community interagieren können.

 

Wie entscheidet man sich für den richtigen Influencer? Sollte man, wenn man mehrere tausend Euro in eine Zusammenarbeit investieren will, auf jeden Fall auf einen sehr reichweitenstarken Influencer setzen? 

Nein, das lässt sich pauschal so nicht bestätigen. Wie bei einer klassischen Medienkampagne sollte man vorab Ziele definieren. Anhand dieser lassen sich dann strategische Entscheidungen ableiten, wie auch die Auswahl der Influencer. Hat man z.B. vorab festgelegt, dass es in dieser Kampagne vor allem um reine Abverkäufe oder die Verrebitung eines Gutscheincodes gehen (beispielsweise für einen großen Onlineshop) gehen soll, dann würde ich einen Macro- bis Mega-Influencer mit einem besonders hohen Engagement und hohen Story-View Zahlen empfehlen. Wenn das Ziel aber die Neukundengewinnung oder die allgemeine Brand Awareness ist, dann lohnt sich eine breit angelegte Micro-Influencer Kampagne. Die Auswahl der Influencer steht also immer in Abhängigkeit von den jeweils vorab definierten Zielen einer Kampagne, den übergeordenten Unternehmenszielen sowie dessen aktuelle und Position im Markt.

 

Was hat sich in den vergangenen Jahren bei der Zusammenarbeit verändert? 

Kunden sind datenorientierter geworden und haben ein besseres Gespür für die Bewertung und „Value“ eines Influencers bekommen. Gleichzeitig sind mit der zunehmenden Professionalisierung der Branche die Budgets gestiegen. Wir arbeiten mittlerweile mit Unternehmen viel enger zusammen, die Influencer Marketing ganzheitlich in ihr Marketing Mix integrieren und stellenweise sogar ihren Einkauf in Absprache mit uns aussteuern. Ich halte das tatsächlich für eine sehr faire und gute Entwicklung und bin stolz ein Teil davon gewesen zu sein in den letzten fünf Jahren.

 

Wie kann man Influencer sinnvoll in seinen Marketing-Mix einflechten? Hast Du dazu ein paar heiße Tipps? 

  1. Keine „One-Shots“ oder einmaligen Postings bei Influencern buchen. Lieber nach „Brand Ambassedors“ suchen und Jahresverträge mit Personen vereinbaren, die eure Brand WIRKLICH mögen.
  2. Wenn es um den Abverkauf von Produkten geht: Sammel die Daten deiner Influencer Kampagnen mithilfe von Statistiken der einzelnen Plattformen, Analyse Tools und Tracking Links. Wie viele Produkte wurden verkauft? Wie oft wurde ein Gutschein eingelöst? Passe deine/n Einkauf/ Produktion bei der nächsten Runde an diese Zahlen an und skalier deine Kampagnen so Schritt für Schritt hoch.
  3. Nutz Influencer zur Contentproduktion und kaufe Nutzungsrechte ein. Dann kannst du das erstellte Material über die Kampagne hinaus auch für deinen Onlineshop und für Paid Media Kampagnen (die übrigens günstiger UND effektiver sind, als du vielleicht denkst) weiter verwerten.

 

Was sind Probleme, auf die Ihr mit NOVALANALOVE hinsichtlich der Arbeit mit den Marken stoßt? 

Oft leider das mangelnde Vertrauen in unsere Arbeit und den ROI. Viele Marken sind da schon sehr weit und wir konnten in den letzten Jahren zu vielen ein tolles Vertrauensverhältnis aufbauen. Dennoch sind die Briefings für die Präsentation der Produkte oft zu starr und sogar teilweise fernab der Realität der eigentlichen Zielgruppe. Influencern werden oft Marketing-Begriffe „in den Mund gelegt“, was eine eigentlich super authentische Umsetzung plötzlich unauthentisch und „gespielt“ wirken lässt, gerade um Bewegtbildbereich.

 

Wie könnte man diese Probleme Deiner Meinung nach seitens der Marken lösen? 

Sucht euch eure Kooperationspartner sehr gut aus, prüft die Daten und schaut euch vergangene Brand Posts an. Trefft euch ganz altmodisch zu einem Lunch Termin mit der jeweilige Person und lernt die Influencer persönlich kennen. Das ist nicht nur professionell sondern hebt das Arbeitsverhältnis gleich auf ein anderes Level. Wenn ihr euch dann für eine Zusammenarbeit entscheidet, können eigentlich keine großartigen negativen Überraschungen mehr passieren. Und wenn doch, who cares? Social Media ist schnelllebig, morgen ist der kleine Fauxpas vergessen. Eine Story ist sowieso nur 24h abrufbar. Manchmal können Abweichungen von der oft starren Vorstellung der Marke zur Verwendung eines Produkts auch ganz neue Kundenzweige erschließen oder die Brand auf neue innovative Ideen bringen.

 

Welche Wunsch-Marken oder -Produkte habt ihr, mit denen ihr unbedingt noch zusammen arbeiten wollt? 

Wir sind da eigentlich schon ziemlich gut aufgestellt. Wir haben uns aber erst vor Kurzem vorgenommen, noch viel mehr im Charity-Bereich zu machen und da auch selbst proaktiv auf Firmen zuzugehen.

 

Was möchtest Du persönlich für Marken und Influencer noch verbessern? 

Den rechtlichen Bereich! Wir müssen die bestehenden Gesetzte zum unlauteren Wettbewerb und der Werbekennzeichnung in Sozialen Medien modernisieren und verbessern. Hier herrscht weder eine landes- noch eine medienübergreifende gleiche Behandlung und Rechtssprechung. Aber ich habe in der kommenden Woche einen Termin mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und bin sehr zuversichtlich, dass wir da etwas bewirken können 🙂

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.